Integrationshelfer stehen im Konflikt

Der Zuzug von Migraten ist umstritten

Aktuell gibt es an einigen Orten der Region eine Auseinandersetzung darum, ob und wie Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet werden sollen. Klar ist: Die Welt ist in Bewegung und immer neue Konflikte treiben die Menschen vor sich her. Zugleich braucht Deutschland Zuwanderung in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus bringen Extremwetter und Klimawandel viele Menschen zur Verzweiflung und auf den Weg nach Nordeuropa.

Deutschland mit seinen Ländern, Landkreisen und Kommunen braucht Migration und spürt zugleich die Last der Integration. Die Ämter und Sozialträger arbeiten hart daran, einem Mindestmaß an Menschlichkeit gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund der großen Anzahl von Menschen entzünden sich Konflikte, manchmal schon schlicht an der Größe oder Lage von Unterkünften. Wahr ist auch, dass einige Menschen grundsätzlich dagegen sind, anderen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Hunger oder Verfolgung in unseren Breitengraden angemessen zu helfen – sie wollen abschrecken. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern, die sich aktiv und ehrenamtlich für die alltägliche Integration der Menschen aus aller Welt einsetzen – sie wollen das Mögliche, möglich machen.

Die Wissenschaft gibt Integrationshelfern eine Stimme

Neben den professionellen Kräften sind diese Ehrenamtlichen eine tragende Säule eines zivilen Umgangs mit den Verwerfungen in der Welt. Dabei macht es offenbar auch einen Unterschied, ob man sich in einer Stadt oder auf dem Land engagiert, wo das eigene Engagement schneller gesehen und kommentiert wird. Eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen hat nun untersucht, wie es insbesondere im ländlichen Raum diesen Ehrenamtlichen geht, was sie stärkt und was sie brauchen. Dr. Tobibias Weidinger wird diese Studie im Rahmen der Veranstaltung „Treffpunkt MIL – soziale Themen die bewegen“ am 21. Oktober in Obernburg in einem Themenforum vorstellen. Dabei wird auch ein Licht darauf geworfen, was die Menschen in ihrem privaten Umfeld an Unterstützung bekommen, aber auch an Anfragen und Vorwürfen aushalten müssen. Ein Engagement in diesem Brennpunktthema unserer Zeit ist nicht einfach und dort wo die Konflikte vor Ort hochkochen, trifft es gerade auch jene Bürger, die nicht nur schimpfen, sondern etwas zum Gelingen der Integration beitragen.

Engagement für und durch Menschen auf der Flucht

In diesem Zusammenhang wollen die engagierten Wissenschaftler aus Erlangen sogar noch einen Schritt weiter gehen. An ausgewählten Beispielen werden sie aufzeigen, wie nicht nur das Engagement für, sondern auch ein Engagement von Menschen auf der Flucht, zur Integration beitragen kann. Tatsächlich bringen diese Menschen nicht nur Nöte und Sehnsüchte mit, sondern haben auch viele Kompetenzen und vor allem Zeit. Während amtliches Vorgehen die Menschen darin trainiert einfach zu warten, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler eine Ehrenamtsvermittlung für Geflüchtete auch produktive Kräfte für die Gemeinden freisetzen. Zum einen in der Flüchtlingshilfe selbst. Zum anderen möglicherweise auch in Vereinen, Verbänden und Initiativen am neuen Wohnort irgendwo im Landkreis Miltenberg oder darüber hinaus.

Mehr Informationen unter www.sozialundgerecht.com